"Change als Chance verstehen"
Wann sind Sie zum ersten Mal in Kontakt mit dem Top-Management-Coaching gekommen?
Das war im Rahmen meiner Tätigkeit als Leiterin der Organisationsentwicklung bei einem weltweit agierenden Automobilhersteller. Ich war dort konzernweit für das Einkaufen von (externen) Coaches verantwortlich. Coaching galt damals als etwas Besonderes, das nur wenigen Top-Managern angeboten wurde. Unter dem Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung musste ich sehr genau auf die Passung zwischen Manager und Coach achten. Selbst einmal Entscheider für oder gegen einen Coach gewesen zu sein, davon profitiere ich auch noch heute. Diese Erfahrung hilft mir und meine eigenen Qualitätsstandards als Coach kritisch zu reflektieren.
Was macht den Coach der Zukunft aus?
Die Flexibilität – sich also noch stärker auf den Coachingpartner einstellen und ihn zum Beispiel direkt zu einem erfolgskritischen Termin zu begleiten. Auf der Fahrt dorthin gibt der Coach der Zukunft letzte entscheidende Hinweise für die Selbstpräsentation und pusht das Selbstbewusstsein. Neben einem viel stärkeren Medieneinsatz wird es auch darum gehen, im Kopf noch flexibler zu werden. So lassen sich mögliche Schranken überwinden, um sich noch stärker auf den Coachingpartner und seine aktuelle Situation einlassen zu können.
Welche Vorteile bietet das aktive Management von Veränderungsprozessen?
Veränderungen passieren selten von heute auf morgen. Sie sind Prozesse, die nur schwer mit punktuellen Maßnahmen gesteuert oder begleitet werden können. Aktives Management heißt deshalb vor allem, Change als Chance zu verstehen und etwas für die Nachhaltigkeit zu tun. Das erreicht man über eindeutig definierte Ziele und daran ausgerichtete Planung. Über Feedbackschleifen können dann immer wieder Justierungen vorgenommen werden. Diese schrittweise Zielannäherung durch aktives Management kann langfristig und nachhaltig die Umsetzung des Veränderungsprozesses garantieren.
Wie erklären Sie den Anspruch „aus der Praxis für die Praxis“?
Aus meinen 16 Jahren Berufserfahrung in der Industrie weiß ich, was es heißt Mitarbeiter zu führen und unternehmensinternen Zwängen zu unterliegen. Die Ansprüche der Kunden, die an Lösungen gestellt werden, kenne ich aus eigener Erfahrung. Sie müssen praktikabel sein und die Kosten-Nutzen-Rechnung muss am Ende aufgehen. Je genauer die Maßnahmen zum Unternehmen passen, umso höher ist der Nutzen. Diese Passgenauigkeit erreichen wir durch unsere eigenen Praxiserfahrungen. Zudem haben wir den Anspruch, unsere Leistungen immer wieder einem „Praxistauglichkeits-Check“ zu unterziehen.
Zum Schluss: Wofür lohnt es sich zu kämpfen?
Es lohnt sich immer zu kämpfen, wenn es darum geht sich zu verbessern oder weiterzuentwickeln. Entscheidend ist dabei stets wach und aktiv zu bleiben. Es gilt, immer wieder mehr zu fordern als man momentan hat oder kann. Besonders wenn es mal nicht so glatt läuft, darf man sein Ziel, seine Vision nicht aus den Augen verlieren.
Sabine Siegl
- Executive Business Coach
- Partner der WM-CONSULT GMBH
- Präsidentin des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP)
- Präsidentin des Verbands zur Förderung der Wirtschaftspsychologie e.V. (WiPs)
- ehemalige Vorsitzende der Sektion Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie bdp e.V.
Qualifikation
- Diplom-Psychologin
Berufstätigkeit
- leitende Funktionen des Personalbereiches eines amerikanischen IT-Unternehmens
- Bereichsleitung Personalentwicklung eines internationalen Ingenieur- und Consultantunternehmens
- konzernweite Leitung der Organisationsentwicklung/ Veränderungsmanagement eines weltweit agierenden Automobilherstellers
- Partner einer Trainings- und Managementberatung
Tätigkeitsschwerpunkte
- Top Executive Coaching
- Potenzialanalysen
- Change Management
Veröffentlichungen
- Meisterstück Fehlzeitenreduktion, in: personalmagazin 01/2011 (mit Nadine Moser).
- Potenzialdiagnostik in der Praxis – Chancen und Risiken eines populären Themas, in: Gerhard Raab & Alexander Unger (Hrsg.), Der Mensch im Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns, Lengerich 2009 (mit Karl Rausch).
- Akquiriert ist nicht integriert – Anforderungen an die Fähigkeit der Selbstorganisation von Unternehmen nach Mergers und Acquisitions (M&A), in: Petia Genkova & Andrea E. Abele (Hrsg.), Lernen und Entwicklung im globalen Kontext, Lengerich 2008 (mit Karl Rausch).
- Coaching für weibliche Führungskräfte - anders als bei Männern?, in: Karin Martens-Schmid (Hrsg.), Coaching als Beratungssystem: Grundlagen, Konzepte, Methoden, Landsberg 2003.